Aktivisten rufen landesweite Demos aus:Proteste im Iran weiten sich aus
Seit Tagen kommt im Iran zu Protesten. Bei Zusammenstößen soll es mehrere Tote gegeben haben. Aktivisten rufen zu einer weiteren Demonstration in der Hauptstadt am Mittwoch auf.
Seit Tagen gehen in Iran Menschen gegen das Regime auf die Straße. Aus den anfänglichen Protesten gegen die schlechte Wirtschaftslage sind landesweite blutige Unruhen geworden.
07.01.2026 | 2:33 minAktivisten haben zum Protest im historischen Basar der iranischen Hauptstadt Teheran aufgerufen. "An die Menschen von Teheran. Wenn ihr vorhabt, zum Einkaufen das Haus zu verlassen (...) lasst uns dieses Mal den Weg ändern. Nicht zu den Schaufenstern, nicht zum Glanz und Prunk, sondern kommt zum landesweiten Aufstand für Brot und Würde", hieß es in einem Aufruf, der auf Telegram geteilt wurde. Der Protest soll demnach an diesem Mittwoch stattfinden.
Am Dienstag kam es in Teheran bereits zu Zusammenstößen zwischen Demonstranten und Sicherheitskräften, die mit Tränengas die Proteste aufzulösen versuchten. Aktivisten zufolge sind inzwischen mindestens 34 Menschen ums Leben gekommen. Mehr als 2.000 seien festgenommen worden, berichtete das Menschenrechtsnetzwerk HRANA. Auch zwei Sicherheitskräfte wurden demnach getötet.
"Die Menschen in Iran rufen nicht nach Reformen, sie rufen nach einem Ende des Regimes", sagt die Journalistin und Aktivistin Daniela Sepehri über die andauernde Protestwelle in Iran.
07.01.2026 | 3:55 minUnruhen auch im Westen Irans
Auch im Westen Irans sind mit Einbruch der Dunkelheit am Dienstag erneut schwere Proteste ausgebrochen. In der mehrheitlich kurdischen Provinz Ilam kam es zu Ausschreitungen, wie Aktivisten in den sozialen Medien berichteten. Bei einem Begräbnis von getöteten Demonstranten riefen Trauernde in der Stadt Malekschahi Protestslogans gegen die autoritäre Führung der Islamischen Republik. "Tod dem Diktator", war in Videos zu hören.
Auch die regierungsnahe Nachrichtenagentur Fars berichtete auf Telegram über Unruhen der Stadt. Dem Bericht zufolge setzten Demonstranten drei Banken in Brand.
Sicherheitskräfte gehen gegen Demonstranten vor
Bei dem Protest auf dem Teheraner Markt kam es am Dienstag zu plötzlichen Ausschreitungen, wie Augenzeugen, Aktivisten und auch iranische Medien berichteten. Videos in den sozialen Medien zeigten Menschenmengen in den Gassen des Basars, die Protestslogans riefen. "Freiheit, Freiheit, Freiheit", war auf einem Video zu hören. Sicherheitskräfte schossen Tränengas, um die Demonstrationen aufzulösen, wie das Menschenrechtsnetzwerk HRANA auf X berichtete. Demnach schlossen sich Einwohner den Protesten der Händler an.
Der Große Basar von Teheran ist ein lebendiges Labyrinth. Über Jahrhunderte gewachsen, erstreckt sich das Netz aus verwinkelten, überdachten Gassen über mehrere Quadratkilometer. Händler im Basar galten bei vielen Protestbewegungen im Iran als äußerst einflussreich.
Irans Justiz kündigt Prozesse im Schnellverfahren an
Angesichts der anhaltenden Protestwelle kündigte die Justiz Prozesse im Schnellverfahren angekündigt. "Zur schnellen, genauen und umfassenden Bearbeitung der Verfahren der Elemente der Unruhen wurden besondere Kammern unter Mitwirkung erfahrener Richter eingerichtet", sagte Justizchef Gholam-Hussein Mohseni-Edschehi laut dem Justizportal Misan.
Der Justizchef erklärte weiter, dass seine Behörden angewiesen worden seien, bei Bedarf vor Ort präsent zu sein. Justizbeamte sollen sich über die Demonstrationen informieren und die Proteste aus nächster Nähe beobachten.
Die Zahl der Toten bei den Protesten in Iran steigt weiter - Aktivisten zählen aktuell 35 Opfer sowie mehr als 1.200 Festnahmen. Auslöser der Proteste war die Wirtschaftskrise im Land.
06.01.2026 | 0:26 minWährung verliert weiter an Wert
Ausgelöst wurden die Proteste durch einen Schock am iranischen Devisenmarkt, der zunächst in der Hauptstadt Teheran wütende Händler auf die Straße trieb. Am Morgen war die Währung weiter abgestürzt. Ein Euro kostete auf dem freien Devisenmarkt erstmals mehr als 1,7 Millionen Rial, wie iranische Finanzportale berichteten. Die Währung hat damit seit Ausbruch der Demonstrationen vor mehr als einer Woche noch einmal mehr an Wert verloren.
Der Iran sieht sich derzeit mit der größten Protestwelle seit 2022 konfrontiert. Damals hatte der Tod der jungen Kurdin Mahsa Amini in Polizeigewahrsam massive Proteste ausgelöst. Amini war wegen eines angeblichen Verstoßes gegen die Kleiderordnung festgenommen worden. Auslöser der aktuellen Protestwelle ist auch die Wut über die hohen Lebenshaltungskosten und die schlechte Wirtschaftslage.
Mehr zum Iran
Demonstrationen gegen Regime:Aktivistengruppe: Mindestens 29 Tote bei Protesten im Iran
mit Video0:26Landesweite Demonstrationen:Proteste im Iran: Teheran schränkt Internet ein
mit Video0:24Anhaltende Proteste :Irans Führung fordert hartes Vorgehen gegen "Unruhestifter"
mit Video0:24- Interview
Expertin Düzen Tekkal ordnet ein:Iran-Proteste: "Regime ist so geschwächt wie nie zuvor"
mit Video2:43